Im Autosektor sind die Eckpfeiler sogar schon seit einer ganzen Weile gesetzt: Wollen deutsche Autobauer weiter in China produzieren und verkaufen, müssen sie ihren chinesischen Partnern ihre Technologie preisgeben. Sebastian Heilmann, Leiter des Berliner China-Instituts Merics schreibt in einem Gastbeitrag in der FAZ von einem "ausgefeilten System von Marktanreizen, technologischer Standardsetzung und verdeckten Protektionismus".

Bei der Entwicklung einer eigenen Flugzeugindustrie ist China bereits genauso vorgegangen. Boeing und Airbus müssen beide mit dem chinesischen Flugzeugbauer Comac kooperieren – vergangene Woche startete Chinas erstes Mittelstreckenflugzeug zum Jungfernflug.

Die Zusagen dem Ausland gegenüber und das konkrete Vorgehen im eigenen Land widersprechen sich dabei eklatant. Auf dem Weltwirtschaftsforum im Schweizerischen Davos ließ sich Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping unter tobendem Applaus von der Weltelite noch als Held des Freihandels feiern. In seiner Rede hatte er heftig gegen den Protektionismus gewettert. Und ebenfalls unter Applaus – dieses Mal der kommunistischen Volksdelegierten – versprach Premierminister Li Keqiang auf dem Nationalen Volkskongress im März, China zum "attraktivsten Ziel für ausländische Investitionen zu machen".

Die Wahrheit ist aber eine andere. Immer mehr deutsche und internationale Unternehmen beklagen bürokratische Hürden und dass sie in China bei Aufträgen gegenüber der einheimischen Konkurrenz benachteiligt werden. Allein die europäischen Investitionen in China sanken im vergangenen Jahr um 23 Prozent auf 8 Milliarden Euro. Chinas Unternehmen hingegen, die meisten von ihnen in staatlicher Hand, kauften sich im selben Zeitraum für mehr als 35 Milliarden Euro in europäische Hightechfirmen ein, darunter in den deutschen Roboterhersteller Kuka. Die Ausgaben stiegen im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 70 Prozent.

Auf die Frage, was Peking mit dem Großprojekt der Seidenstraße bezweckt, fällt das Urteil eines führenden europäischen Diplomaten in Peking daher auch eindeutig aus: "China sucht die Vorherrschaft."